Mittwoch, 22. Dezember 2010

Christchurch

Dieser Eintrag ist ein ganz besonderer, denn er ist der erste, der vom aktuellen Stand der Dinge erzählt…
Ich bin mittlerweile in Christchurch, das ist sozusagen die städtische Metropole (an der Ostküste der Südinsel) der Insel. Hierher gefahren bin ich allein (am 30. November), nämlich ca. 9 Stunden lang von Motueka aus. Motueka ist eine Kleinstadt in der Nähe vom Abel Tasman Nationalpark, in der Kirstie und ich nach unserer großen Wanderung im Park (von der ich das letzte Mal erzählt habe) für drei Tage geblieben sind. Wir haben dort malwieder auf dem Grundstück eines Hostels gezeltet und uns von den (körperlichen) Strapazen der Wanderung erholt indem wir viel gekocht, viel gelesen haben und viel in der Stadt unterwegs waren. Dann war für mich aber auch die Zeit gekommen, dass ich mich allein auf den Weg machte: zwar waren die vergangenen drei Wochen total toll gewesen, das Reisen und die Natur und die Gesellschaft und das frei sein, jedoch hatte ich langsam das Bedürfnis, mich für eine Weile irgendwo niederzulassen und auch nach einem Job Ausschau zu halten. Also habe ich den Bus nach Christchurch genommen (auf dem Weg habe ich an der Westküste die unten abgebildeten Robben gesichtet) und bin dort für meine ersten zwei Nächte in einem Hostel namens „The Old Countryhouse“ eingecheckt. Am ersten Tag hier angekommen, fühlte ich mich zwar ein bisschen einsam und verloren (entgegen all meiner Erwartungen war das ja für mich wirklich das erste Mal hier in Neuseeland, dass ich irgendwo allein war und niemanden „dabei hatte“, nach den drei Wochen erst mit Clara und Annsophie und dann mit Kirstie und Paul), aber das fühlte sich auch ganz gut an, denn das war ja auch das, was ein Teil meines Jahres hier werden sollte: sich selbstständig auf den Weg machen, in unbekannte Orte, immer wieder neue Leute kennenlernen, unabhängig bleiben, einfach nach meiner Lust und Laune leben und weiterreisen wann und wohin ich gerade will. Am ersten Tag wollte ich mich also auf den Weg machen und in der Stadt die Hostels und Cafés abklappern, fragen, ob sie jemanden brauchen, der bei ihnen aushilft. Meine Wunschvorstellung war, für ein bis zwei Monate ein nettes Hostel zu finden, in dem ich arbeite und dort dann auch wohne, da ich die Stimmung in den Hostels mag, dort sind immer viele junge Leute, die rumreisen, interessant sind, mit denen man zusammen kocht oder Wanderungen macht. Jeder kommt aus einer anderen Ecke der Welt und will woanders hin und hat eine ganz eigene Geschichte zu erzählen, das ist schon immer sehr spannend. Und die Grundstimmung ist auch immer sehr offen und entspannt, es ist fast unmöglich, hier in einem Hostel zu übernachten, ohne eine Hand voll Leute kennenzulernen. Als ich mich also auf den Weg in die Stadt machen wollte, kam mir auf einmal ein junger Deutscher entgegen, mit dem ich auf einem Zimmer wohnte und der auch gerade einen Job suchte. Er erzählte mir, er würde jetzt hier in diesem Hostel anfangen zu arbeiten, ich sollte mich doch auch mal erkundigen. Ich fragte also die Besitzerin, die mich weiter an den Manager überwies und dieser meinte, wenn ich Interesse hätte, könnte ich morgen anfangen. Die Arbeit sieht wie folgt aus: von zehn bis ein Uhr das Hostel putzen (in meinem Fall heißt das Betten machen, Staub wischen, Staubsaugen) und den Rest des Tages haben wir frei. Der Job ist nicht bezahlt, aber wie das so oft der Fall ist, können wir dafür umsonst hier wohnen (was letztendlich aufs Gleiche hinauskommt). Nur gibt es bei diesem Hostel eine Besonderheit: da es relativ groß ist, haben wir „Putzleute“ und Rezeptionisten unsere eigene Wohnung in einem externen Haus, was ziemlich cool ist. So wohne ich jetzt also seit drei Wochen in dieser Wohnung und mache jeden Morgen ein paar Betten. Mittlerweile hat sich in unserer „WG“ eine ziemlich coole Gruppe zusammengefunden: Die beiden Rezeptionistinnen sind beide Amerikanerinnen Mitte 20 (Rachel und Marissa), putzen tun mit mir noch ein deutsches Pärchen (Sabine und Chris), zwei Taiwaner (Grace und Berson) und Paul, mein amerikanischer Mitreisender, der vor zwei Wochen seinen Flug nach Bangkok verpasst hat und so noch einen Monat länger in Neuseeland bleibt. Kirstie hat mich auch besucht, sie ist mittlerweile nach Bali geflogen, um dann weiter Südostasien zu entdecken (und hoffentlich im Frühling wieder für ein paar Wochen zurück nach Neuseeland zu kommen).
Heute wollte ich euch nur auf den neusten Stand setzen, erzählen, wo ich eigentlich gerade bin und wie ich dorthin gekommen bin. Das nächste Mal werde ich von unserem WG-Leben erzählen, was wir alles so unternehmen, wie wir Weihnachten verbracht haben und so weiter.  Außerdem könnt ihr dann Fotos von meinem Hostel und den Leuten anschauen.
oHostel


Im Folgenden werdet ihr ein paar Bilder von der Stadt sehen, in der ich mich gerade befinde. Sie ist ganz nett, ein Glück wurde nicht zu viel bei dem erst kürzlichen Erdbeben zerstört. Am schönsten ist es wohl im botanischen Garten, auch die Kathedrale ist sehr beeindruckend (wenn auch in manchen Punkten natürlich ganz anders als in Europa/Deutschland). Ansonsten flaniert man durch die Straßen und Märkte, geht in die Art Gallery, trinkt ein Bierchen bei Live-Musik in einer der vielen gemütlichen Bars und Pubs oder stöbert durch die unzähligen Gebraucht-Buchläden (ihr kennt mich ja…).
Soweit,
liebe Grüße aus dem unglaublichen heißen Christchurch,
(es gibt kaum noch Tage unter 35° und die Sonne brennt so unglaublich...)
Eure Freddy








































Donnerstag, 16. Dezember 2010

Abel Tasman National Park


Heute werd ich weiter von meiner Reise durch Neuseeland erzählen, die Episode, die ich im nachfolgenden beschreibe, hat sich in der Woche vom 22. Bis 26. November ereignet.
Wir drei (meine beiden amerikanischen Freunde und ich) sind also mit dem Bus nach Marahau am Rande des Abel Tasman Nationalparks gefahren, haben dort auf dem Grundstück eines sehr gemütlichen Hostels gecampt und sind am nächsten Morgen aufgebrochen. Das Gepäck, das wir nicht in diesen folgenden fünf Tagen brauchen würden konnten wir ein Glück im Hostel lassen.
Der Abel Tasman Nationalpark besteht hauptsächlich aus einem langen Küstenstreifen (ca. 55km), unterteilt in viele Buchten. Außen vorgelagert sind einige kleine Inseln, die meisten sind nur ein paar Quadratmeter groß und beherbergen vom Aussterben bedrohte Vögel und Robben. Die Vegetation auf dem Festland lässt sich wohl am ehesten als Dschungel beschreiben, in dem die verrücktesten Blumen, Bäume, Vögel, Farben, Gerüche, Bäche und Wasserfälle zu finden sind.
Wir haben demnach morgens das „Wassertaxi“ vom Anfang des Parks bis hoch zur Spitze genommen, das war eine äußerst amüsante aber auch Magen-belastende Fahrt: in einem ca. 10-Mann Motorboot 1 ½ Stunden bei heftigem Wellengang, sodass wir beim Erreichen unserer Bucht von oben bis unten komplett nass waren…
Und dann ging es los mit Wandern, nämlich die Küste wieder runter. In fünf Tagen dorthin, wo wir mit dem Wassertaxi gestartet waren. Auf dem Weg an den einzelnen Buchten waren immer ein paar kleine mit dem Allernötigsten (Bio-Plumpsklo, Wasserhahn) ausgestattete Campingplätze, die man alle im Voraus buchen musste (sodass unsere Route und tägliche Wanderstrecke natürlich genau geplant waren).
Da ich jetzt nicht von jedem einzelnen Wandertag erzählen will, werd ich einfach ein paar Eindrücke mit euch teilen:
Wie man unten auf den Bildern wahrscheinlich auch sehen kann, war es das reinste Paradies dort. Selbst wenn der Hang, den man gerade hochstieg noch so anstrengend war, man wusste immer: wenn ich oben angekommen bin, habe ich einen atemberaubenden Blick auf diese wahnsinnige Natur! Das kann keine Kamera der Welt wiedergeben…
Bereits am ersten Abend schwante uns bereits, dass wir wohl nicht ganz realistisch gerechnet hatten, als wir unseren Proviant gepackt hatten: Für eine Fünftagewanderung (in der man ordentlich Energie verbraucht) hatten wir zu dritt nur einen Kilo vorgekochten Reis mit Tomatensauße und Bohnen, ein kleines Pack Brot, eine kleine Schüssel Käse und Aufstrich, sechs Äpfel und ein paar Nüsse dabei. Das war natürlich mehr als zu wenig und auch noch so gutes Rationieren half nicht gegen ein andauerndes Hungergefühl, dass erst gestillt wurde, als wir auf unserem vorletzten Campingplatz einen Kayak-Reiseleiter kennenlernten, der zu viel Essen für seine kleine Gruppe dabei hatte und uns alles, was sie nicht schafften, überließ. Ich war selten so glücklich über ein bisschen rohes Gemüse, ein paar Happen Reis-Gemüse-Curry-Hühnchen-Pfanne (!), Gebäck mit Vanillesauße und Erdbeeren und einem genüsslichen Frühstück am nächsten Morgen…
In der Nacht bevor wir diesen besagten Reiseleiter trafen, wachte ich auf einmal von einem lauten Geräusch auf. Dazu muss gesagt werden, dass wir zu dritt in einem 2-Personen-Zelt geschlafen haben, weshalb unser Gepäck draußen bleiben musste, eingewickelt in eine große Plastikplane. Ich merkte schnell, dass sich draußen ein Tier an unserem Gepäck zu schaffen machte. Nur wusste ich nicht, was für eines und wie ich es vertreiben könnte. Ich spähte mit meiner Kopftaschenlampe aus dem Zelt und eine Art riesige, buschige, schwarze Katze mit einem enormen Schwanz starrte mich mit leuchtenden Augen an. Ich huschte zurück ins Zelt und versuchte, die anderen aufzuwecken. Letztendlich leuchteten Kirstie und ich mit unseren Warnblinkern der Taschenlampe und machten erschreckende Geräusche, während Paul draußen alles versuchte, das Tier ernsthaft zu vertreiben, was ihm kaum gelang, denn es hatte scheinbar keinerlei Angst vor uns. Wie sich am nächsten Tag herausstellte, war das also ein berühmt-berüchtigtes Possum gewesen, ein nach Neuseeland eingeschlepptes Beuteltier, das hier die einheimische Tierwelt bedroht. Es hatte sich doch tatsächlich durch die Plastikplane gefressen, dann den Reisverschluss von Kirsties Rucksack aufgezogen und darin rumgewühlt, bis es die Plastiktüte mit dem Reis gefunden, zerrissen und halb aufgefressen hatte. Tja, ein Glück kam dann ja jemand mit seinem Kajak und rettete uns…
Jeden Tag haben wir sehr viel Zeit am Strand verbracht, haben dort gelesen, geschrieben, stundenlang geredet, haben viele Fotos gemacht, "Schätze" gesammelt (Muscheln, Steine, tote Krabben, Krebse, Seesterne etc.) und die Natur bewundert. Natürlich sind wir jeden täglich zwei bis fünf Stunden weitergewandert und haben so den ganzen Nationalpark erlebt – einmal mit dem Boot bis an die Spitze und dann die gesamte Küste wieder heruntergelaufen.
Es war der Wahnsinn!