Dienstag, 19. April 2011

Westcoast


Der Tag auf der kleinen Halbinsel am See Wanaka begann für uns mit einem kleinen Müsli-Frühstück in unseren Campingstühlen am Strand. Dann ging die Fahrt weiter nach Haast.

Auf dem Weg machten wir kurz Halt an den „Gates of Haast“, einer Brücke, die denn Anfang der Westküste kennzeichnet und von einem großen Wasserfall umspült wird. Auch in Haast (Pop. 300) selbst, einem relativ kleinen Ort, stoppten wir kurz, um uns ein paar Sandwiches zu machen.


Dann erreichten wir die eigentliche Westküste und hatten tolle Ausblicke auf den Ozean und die tropische Küste. Unser Ziel war an diesem Tag der „Fox Glacier“, ein sehr berühmter Gletscher, zu dessen Aussichtspunkten wir wanderten.


Bevor wir auf unseren DOC-Campingplatz direkt an der Küste und 12km außerhalb von Fox Glacier Village fuhren, machten wir eine weitere Wanderung um den auf dem Weg liegenden „Lake Matheson“, einen sehr schönen See, der auch einer der Spiegelseen Neuseelands ist und in dem sich der im Hintergrund wieder zu sehende Mt Cook und die umliegenden Gebirgszüge spiegelten. Die Wanderung um den See dauerte ca. 1 ½ Stunden.

Am nächsten Tag ging es den Highway der Westküste weiter Richtung Norden, nämlich zum zweiten bekannten Gletscher: dem „Franz Josef Glacier“. Eine Wanderung führte in ca. 1 Stunde direkt an den Fuß des Gletschers, nämlich über das in diesem Moment ausgetrocknete Flussbett des Gletschers. Im Frühling, nach großem Frieren und Schneefall, wenn es wärmer wird, schmilzt ein großer Teil des Eisberges und läuft dieses ca. 150m breite, steinige Flussbett hinunter.

Danach fuhren wir den wunderschönen Highway weiter rauf nach Greymouth (Pop 10 000), einer weniger schönen Stadt, die aber dafür größer ist als die meisten Orte an der sehr dünn besiedelten Westküste. Dort übernachteten wir auf einem Holiday Park (sehr gut ausgestatteter Campingplatz, auf dem es mal wieder die Möglichkeit gab, zu duschen, Wäsche zu waschen, in einer richtigen Küche zu kochen, Elektronik aufzuladen und für ein paar Minuten Internetzugang zu haben).

Nachdem wir am nächsten Tag ein paar Einkäufe erledigt hatten, fuhren wir für einen Tagesausflug weiter Richtung Norden, nämlich nach Punakaiki, wo die sehr bekannten, bemerkenswerten „Pancake Rocks“ zu finden sind. Ein kleiner Rundweg gibt Aussicht auf die von hohen Wellen umspülten Klippen und Felsen, welche mit ein wenig Fantasie einem riesigen Haufen übereinander gestapelter Pfannkuchen (Ostis: Eierkuchen;) gleichen. Nach einem kleinen Nickerchen im Van fuhren wir am frühen Abend zu einer kleinen, nahegelegenen Bucht, in der wir ganz allein waren und bei wunderschöner, untergehender Sonne Sprungfotos am Strand machten und den letzten gemeinsamen Abend genossen.

Abends kamen wir wieder nach Greymouth zurück, kochten was Schönes, Franzi packte ihre Sachen und um Mitternacht… haben wir „Happy Birthday“ gesungen: Flo hatte Geburtstag! Franzi und ich hatten im Van ein paar kleine Sachen vorbereitet: Luftballons aufgeblasen, Muffins geholt (Backen konnten wir leider nicht), „Happy Birthday“-Kerzen darauf gesteckt, Süßigkeiten , wie auch unsere Geschenke verteilt. Es gab wie so oft abends Orangensaft, Radler und entspannte Musik.

Am nächsten Morgen in der Früh (7 Uhr) haben Flo und ich Franzi zum Bus gebracht: für sie war damit unsere Reise zu ende. Sie nahm den Bus durch die Alpen (an „Arthur’s Pass“ vorbei, wo ich vorher schon allein zum Wandern hingefahren war) nach Christchurch, nahm von dort aus nachmittags den Flug nach Auckland und dann weiter nach Sydney, Singapur, London, Berlin.

An diesem Tag hatten wir den stärksten Regen auf unserer gesamten Fahrt (im Gegensatz zu vielen anderen, von denen ich gehört habe, hatten wir super viel Glück mit dem Wetter, fast nur Wärme und Sonnenschein. Das ist schon sehr ungewöhnlich, wenn man überlegt, dass es allein im Fjordland im Jahr weitaus mehr Regentage als trockene Tage gibt). Das miese Wetter nutzten Flo und ich dazu, an diesem Tag einfach mal zu entspannen, ein paar Filme zu schauen, einzukaufen, und unsere weitere Reise zu planen.



Mein nächster Eintrag wird der letzte sein über unsere große gemeinsame Reise.


Doch seitdem ist schon wieder eine ganze Weile vergangen und ich habe schon einiges Neues erlebt und bin weit gereist, damit ich nicht immer so viel hinterher bin mit meinen Berichten, werde ich unter der Bildergallerie kurz zusammen fassen, was ich seitdem so erlebt habe, und wo ich mich in diesem Moment gerade aufhalte…


Nachdem ich Flo in Christchurch am 27. März zum Flughafen gebracht hatte, bin ich noch zwei Tage im Hostel (ja, in dem Hostel, in dem ich so lange gearbeitet habe, es ist eines der wenigen in Christchurch, welches nicht beim letzten Erdbeben zu Schaden gekommen ist). Dort hab ich natürlich etwas Trübsal geblasen und hab mich ziemlich einsam gefühlt, da ich auf einmal, nach fast 6 wundervollen Wochen mit Flo und Franzi, wieder allein war und am liebsten mit zu Flo ins Flugzeug gestiegen wäre. Das einzige, was mich trösten konnte, war die Vereinbarung mit Flo, dass ich meinen Flug umbuche und doch ein wenig früher zurück komme, als ich es eigentlich geplant hatte:


Ich fliege nun offiziell am 30. Mai!


Dann habe ich den Bus wieder die Küste hoch nach Picton genommen (Pop 4 000), dem kleinen Ort, von dem jeden Tag die Fähre rüber auf die Nordinsel (nach Wellington) geht. Dort habe ich mich mit meiner Freundin Anisa getroffen, mit der ich in Christchurch lange im Hostel gearbeitet hatte (sie war noch bis vor kurzem dort die Rezeptionistin). Wir haben zusammen den „Queen Charlotte Track“ unternommen, eine 5-tägige Wanderung, auf den Landzungen entlang, die die „Marlborough Sounds“ kennzeichnen. Da wir auf DOC-Campingplätzen gezeltet haben, die direkt am Ufer lagen, konnten wir den Luxus genießen, dass ein Boot jeden Tag unser schweres Gepäck abgeholt und zum nächsten Zeltplatz gebracht hat, sodass wir nur kleine Tagesrucksäcke zu tragen hatten. Dieser Transport war inklusive, da sie uns am ersten Tag erst einmal zum Anfang des Wanderweges mit dem Boot fahren mussten. Es waren schöne Tage, die Wanderung war nicht allzu schwer, wir haben tolle Aussichten gehabt und uns auch untereinander gut verstanden.


Zurück in Picton habe ich zwei Tage später die Fähre hinüber nach Wellington genommen und mich damit auf meiner Reise von der wunderschönen Südinsel verabschiedet.


Die Fährfahrt selbst war diesmal nicht so angenehm, wir ich sie mir vorgestellt hatte: Obwohl es ein riesiges Schiff ist (mehrere Decks, mehrere hundert Menschen und Autos, Restaurant, Cafés, Bars, Kino, Shops…) schwankte es bei dem schlechten Wetter, das wir hatten, so sehr, dass man das Gefühl hatte, in einem kleinen Segelboot zu sitzen. Es wankte hin und her, Wellen spritzten bis an die gesamten Fenster der oberen Decks und natürlich – wurde fast die gesamte Fähre unglaublich Seekrank. Mir persönlich ging es sehr schlecht und ich kann mich nicht daran erinnern, wann mir das letzte Mal so übel gewesen ist.


Letztendlich erreichten wir nach 3 Stunden Fahrt Welllington, wo ich mir 2 schöne Tage machte, das berühmte Te Papa Museum besuchte (neuseeländisches Nationalmuseum mit vielen wechselnden Ausstellungen und bleibender Ausstellung über Geschichte und Kultur der Maori), zum „Beehive“ schlenderte („Wespennest“, welches die Form beschreibt, in der der Sitz der Regierung gebaut wurde) und ein wenig die Straßen und Läden Wellingtons erkundete.


Danach ging es mit dem Bus weiter nach Wanganui (ca. 3 Stunden entfernt, Pop. 40 000), einer süßen Stadt an der Westküste, in der ich hoffte, die Chance zu haben, zum Whanganui National Park zu gelangen, um dort den berühmten Wanganui River entlang kayaken zu können. Doch der Nationalpark selbst, wie sich herausstellte, war 140 km entfernt, der Transport dahin sehr aufwendig und teuer, mal von den Kosten des Kajak-Verleihs ganz zu schweigen. Also entschied ich mich dagegen, blieb 2 gemütliche Tage in Wanganui und fuhr dann mit dem Bus weiter die Westküste hoch nach New Plymouth.


New Plymouth (Pop 45 000) liegt im District Taranaki, benannt nach dem nicht weit entfernten Mt Taranaki im Mt Egmont National Park. Ich blieb 5 Tage in New Plymouth, das Hostel war gemütlich, ich konnte jeden Tag umsonst in der Bibliothek ins Internet, es gab große, billige Supermärkte um die Ecke, die Küstenpromenade 5 Minuten entfernt, nette Leute im Hostel und ich machte einen Tagesausflug zum Mt Taranaki. Mit zwei Deutschen und einem Dänen, die auch in meinem Hostel übernachteten, buchte ich einen Shuttle, der uns früh morgens zum Visitor Centre im National Park brachte, von dem all die Wanderungen los gingen. Ich machte einen langen Rundweg (ca. 4 Stunden) ungefähr bis zur Hälfte des Berghanges (insgesamte Höhe des Mt Taranaki (aktiver, schneebedeckter Vulkan): 2518m. Nachmittags holte uns der Shuttle wieder ab und fuhr uns zum Hostel zurück.


Zwei Tage später überlegte ich mir mein letztes Reiseziel, bevor ich mir wieder eine Arbeit irgendwo suchen wollte: Coromandel, eine sehr schöne Halbinsel östlich unterhalb von Auckland. Ich nahm also den Bus nach Hamilton (4 Std), übernachtete dort einmal (scheußliche Stadt) und fuhr am nächsten Tag weiter nach Coromandel Town (weitere 3 ½ Stunden und Pop 1,620). Auf der Halbinsel gibt es schöne Küsten, die berühmten „Cathedral Caves“ (sagenumwobene Felsbrocken im Wasser), den Coromandel Forest Park und den Hot Water Beach, bei dem man um eine bestimmte Uhrzeit (Ebbe/Flut) sich ein Loch im Strand graben kann, dann kommen verschiedene kalte, warme und heiß blubbernde (der Norden der Nordinsel ist von Vulkanen übersäht, allein Auckland ist auf 50 kleinen Vulkanen erbaut) Zuflüsse und machen das Sandloch zu einem persönlichen Whirlpool.


Doch diese Attraktionen habe ich noch nicht gesehen, im Moment befinde ich mich noch in Coromandel Town, in dem absolut schönsten und gemütlichsten Hostel, dass ich in Neuseeland besucht habe: ein Grundtück voller tropischer Pflanzen, überdachten Sofas, Bänken und Kuschelecken, Das Wohnzimmer und die Küche und alle Zimmer sind mit allerlei Urlauberinnerungen aus Europa, Asien und Afrika dekoriert. Das beste jedoch: sie hatte vergessen, mich nach meiner Buchung für eines der Gemeinschaftszimmer einzutragen und als ich ankam, waren alle voll: dafür überließ sie mir für nur ein paar Dollar mehr ein eigenes Doppelzimmer. Aber wie sich schon bald herausstellen sollte, ist das kein gewöhnliches Doppelzimmer: es ist abseits vom Haupthaus ein kleiner uralter Camping-Hippie-Bus aus Holz mit einer kleinen Veranda, bestimmt 10 verschiedenen kleinen Fensterchen, einem riesigen erhöhten Doppelbett, Spiegeln, einer Sitzecke, Schränkchen, einem roten Himmel über dem Bett und eine Lichterkette darum herum, indische Kissen, Muscheln, Teppiche, Vorhänge, selbst gemalte Bilder, einem kleinen Treppchen zum Bett hinauf… Es ist einfach traumhaft! Ich fühle mich so pudelwohl und es tut gut nach dem ganzen unterwegs sein, mal ein wenig auszuruhen, zu lesen, zu schreiben, keine Rücksicht auf andere Reisende im Zimmer zu nehmen (ich habe ungelogen die letzten 5 Monate immer mit mehreren, oft wildfremden Menschen das Zimmer geteilt). Es sind so kleine Sachen, wie den Fakt, dass es oft nur eine Steckdose für alle gab, dass man abends und morgens leise sein musste, zu einer bestimmten Zeit das Licht aus ging, man keine Privatsphäre zum telefonieren hatte (ich bin in diesem Monaten überall wo ich war zum Telefonieren mit Flori abends immer um den Block gelaufen, manchmal für Stunden), dann dass man nur ein Bett und den Boden davor für seine Sachen hat, dann natürlich immer auch die Sache mit den Wertgegenständen, inwieweit man diese unbeaufsichtigt im Zimmer lassen kann…


All diese Sachen lassen es mich gerade mal wieder so sehr schätzen, ein Zimmer für mich allein zu haben. Ich kann meine Sachen ausbreiten, meine Elektronik laden, kann ins Bett gehen, wann ich will, ausschlafen, so lange ich will, bin nicht gezwungen, mit anderen zu reden, kann jeden Abend in Ruhe und gemütlich drinnen mit Flo telefonieren. Da die Eigentümerin eine wirklich nette ist, hat sie mir für den Spezialpreis sogar noch fünf weitere Nächte hier zur Verfügung gestellt, als sie gemerkt hat, dass ich mich so wohl fühle. Dieser eigene Bus hier hat nämlich auch noch mehr Vorteile: er wirkt unheimlich inspirierend! Ich arbeite jetzt täglich an meinem kreativen Schreiben und mache große Fortschritte. Manche Menschen würden meinen momentanen Zustand Vereinsamung nennen, doch für mich ist es eher ein Teil des Prozesses, ich lebe allein in diesem Bus, lese, schaue Filme, esse ab und zu mal was und widme mich die meiste Zeit des Tages Kurzgeschichten, Schreibübungen, Notizen und Ideen. Dadurch, dass ich den ganzen Tag eigentlich mit niemandem rede, fließt meine ganze Energie und mein Mitteilungsbedürfnis in meine Texte.


Unten seht ihr ein paar Bilder von meinem kleinen Künstler-Bus. Fotos vom Queens Chalotte Track und von der Wanderung am Mt Taranaki kommen demnächst.


Liebe Grüße aus dem Bus der Inspiration!


Das kleine Treppchen zum Eingang...

Voilá: meine eigene Veranda!

Der Blick aus meiner Tür...

Der Blick in mein kleines Reich hinein...

Mein riesiges Bett mit Fenstern drumherum

Bank und Tür

meine kleine Sitzecke

Kommode und Spiegel

Tür mit Glasfenstern in Form von Kerzen...

mein Bett abends, drum herum: eine Lichterkette

Warnung: "Benutze keine Kerzen. Du weißt, warum: Du kannst dich verbrennen, oder schlimmer: du könntest sterben..."...;)

1 Kommentar:

  1. Es ist süß deinen Bus nun auf Fotos zu sehen. Trotz deiner ausführlichen Berschreibungen konnte ich ihn mir noch nicht richtig vorstellen. Er ist wirklich ein Unikum :)

    Ich dachte ich lasse mal ein Kommentar hier, da bisher noch nicht viele von der Möglichkeit auf deinem Blog zu Schreiben genutzt haben :)

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